Therapie

Therapie

Unser therapeutisches Angebot ist im besten Sinne ganzheitlich angelegt. Es werden die medizinischen, die psychologischen und die sozialen Aspekte zusammen mit den Patienten besprochen (siehe ISI/Ziele) und dann in den Therapieeinheiten nach entsprechender Diagnostik angemessen bearbeitet.

Die Behandlung wird vom leitenden Arzt und vom leitenden Psychologen gesteuert.

  • Für medizinische Fragen steht täglich ein Arzt sowie das Pflegepersonal zur Verfügung.
  • Allgemeinärztliche und internistische Probleme werden in regelmäßigen Sprechstunden von einem Facharzt für Innere Medizin behandelt.
  • Die medizinische Behandlung wird von einem Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie geleitet.
  • Jeder Patient wird von einem ihm zugeordneten Psychotherapeuten behandelt. Diese/r leitet die viermal wöchentlich stattfindende Bezugsgruppe, führt die Einzelgespräche und Paar- und Familiengespräche und erarbeitet mit dem Patienten in Zusammenarbeit mit dem therapeutischen Team den Therapieplan.
  • In Bezug auf soziale Fragestellungen und Probleme wird jeder Patient von einem erfahrenen Sozialarbeiter unterstützt.

Unsere Patienten/innen durchlaufen während der Therapie in unserem Hause für einige Wochen jeweils die Therapiebereiche Ergotherapie (Kreatives Gestalten), Arbeitstherapie und Sport- und Bewegungstherapie. Die Therapiebereiche finden in Kleingruppen viermal wöchentlich am Nachmittag statt.

Medizinische Versorgung

Durch jahrelangen Alkohol- und Medikamentenmissbrauch können körperliche und seelische Folgeerkrankungen entstehen. Das macht ärztliche Maßnahmen in diagnostischer und therapeutischer Hinsicht erforderlich. Für die gesamte Behandlungsdauer ist die fachärztliche Betreuung von der Aufnahmeuntersuchung über regelmäßige Visiten und ärztlich geführten Einzelgesprächen, bis hin zur Abschlussuntersuchung durch erfahrene internistische und psychiatrische Fachärzte im Hause gewährleistet.

Ablauf des ärztlichen Aufnahmegespräches/der ärztlichen Aufnahmeuntersuchung:

  • Erstellen eines individuellen Behandlungsplans
  • Durchführen von Laboruntersuchungen, EKG, EEG, Ultraschalluntersuchungen 

Während der gesamten Therapiedauer erfolgt eine intensive medizinische Schulung in Kleingruppen. Hierbei werden nicht nur die gesundheitlichen Folgen des Alkohol-, Medikamenten- und Tabakkonsums erörtert, sondern auch die Themen: 

  • Gesundheitsförderndes Verhalten (Salutogenese)
  • Schlafstörungen und gesunder Schlaf
  • Bewegung und körperliches Training
  • Stress und Stressbewältigung
  • Genussfähigkeit und gesunde Ernährung 

Da einige Patienten/innen im Rahmen ihrer Erkrankung Defizite im Bereich gesunder Ernährung haben, bieten wir eine Lehrküche an. Unter Anleitung einer Ernährungsberaterin wird in einer Kleingruppe 1 x wöchentlich gekocht.

Patienten/innen mit Stoffwechsel- und Essstörungen bieten wir natürlich eine individuelle Ernährungsberatung an; insbesondere Patienten/innen mit Diabetes mellitus haben darüber hinaus die Möglichkeit, an der in Kooperation mit dem Marien-Hospital Euskirchen durchgeführten Diabetikerschulung teilzunehmen.

Gegen Ende der Behandlung erfolgt auf der Basis der Diagnostik und des Rehabilitationsverlaufes eine individuelle sozialmedizinische Leistungsbeurteilung, inkl. weiterer Therapieempfehlungen, die gemeinsam mit Ihnen besprochen werden.

Gruppentherapie

Gemischt und Differenziert

Als gemischt-geschlechtliche Einrichtung betrachten wir die Unterschiede zwischen den Geschlechtern als Kraftquelle.

Wir glauben, dass ein Zusammenleben von Frauen und Männern für beide Seiten viele Vorteile mit sich bringt. Die unterschiedlichen männlichen und weiblichen Erfahrungen sowie Lebendigkeiten können z.B. zu einer besseren Konfliktbewältigung oder einer achtsameren sozialen Selbstsorge genutzt werden.

Innerhalb eines gemischt-geschlechtlichen Therapierahmens bieten wir für Frauen und Männer geschlechtsspezifische differenzierte Erkundungs- und Entfaltungsmöglichkeiten an. Ein gemischt-geschlechtlicher Therapierahmen entspricht der Alltagserfahrung unserer Patienten. Gleichermaßen bieten die geschlechtsdifferenzierten Therapieangebote beiden Geschlechtern sowohl Schutz-, als auch Möglichkeitsräume an.

Konkret bedeutet dies, dass wir drei Bezugsgruppen hinsichtlich der Geschlechterverteilung folgendermaßen zusammensetzen:

  • zwei gemischt-geschlechtliche Bezugsgruppen
  • eine Bezugsgruppe für Männer

Für Frauen bieten wir zusätzlich ein spezifisches frauenbezogenes Behandlungsangebot an (s. u.).

Für Männer, die i. S. des Wahlrechts eine männerbezogene Behandlung wünschen, bieten wir in den zwei Männer-Bezugsgruppen die Möglichkeit an, eine geschlechts-spezifische Bearbeitung, u. a. folgender Themen, vorzunehmen:

  • männertypische Verhaltensweisen und Suchtmuster
  • Quellen männlichen Selbstwerts
  • Umgang mit enttäuschter Liebe
  • Lust, Liebe und Sexualität
  • der Mann als Vater
  • Ausdruck der Gefühle
  • Zugang finden zum Körpererleben
  • Verarbeitung möglicher Gewalterfahrungen

Frauenbezogene Behandlungsangebote:

Der Hintergrund für die Gestaltung frauenbezogener Behandlungsangebote in der Klinik  berücksichtigt folgende Aspekte:

  • Häufig fühlen Frauen sich durch die Diagnose Suchtmittelabhängigkeit stärker ausgegrenzt als Männer.
  • Es treten häufig zusätzliche Probleme, wie z. B. Essstörungen auf.
  • Es kommt häufig zu Konflikten und Überforderung durch die Anforderungen als Mutter, Ehefrau und eventuell gleichzeitiger Berufstätigkeit.
  • Viele Frauen haben Gewalt- und Missbrauchserfahrungen erlebt und erfahren.

Frauen stehen häufig unter einem hohen emotionalen Leidensdruck, machen sich persönliche Schuldvorwürfe, leiden unter Versagensängsten, sind unzufrieden mit ihrem Körper und ihrem Aussehen. Die sozialen Beziehungen zu Kindern, Partnern und Eltern nehmen einen großen Raum ein. Ebenso das Gefühl der permanenten Überforderung und des Ungenügens. Viele Frauen richten die Verzweiflung darüber gegen sich selbst.

Da Frauen nicht stärker gestört und nicht schwerer therapierbar sind, sondern sich ihre Problem- und Störungsbilder nur anders ausdrücken, brauchen sie andere Hilfe. Aus diesem Grunde halten wir neben den gemischt-geschlechtlichen Therapiegruppen zusätzliche frauenbezogene Therapiegruppen für erforderlich.

Neben individuellen Behandlungen in Einzeltherapien, bieten wir zusätzlich die Gruppe „Frau und Sucht“ sowie die indikative Gruppe „Selbstverteidigung für Frauen“ an.

Bezugsgruppe

In der Gruppentherapie besteht Raum für gemeinsamen Austausch, gegenseitige Rückmeldungen und für die Entwicklung hilfreicher Wege aus der Sucht. Die Entfaltung eigener Möglichkeiten in der Gruppe auf der Basis gegenseitigen Vertrauens und Wohlwollens kann eine wertvolle Erfahrung darstellen. Die Gruppentherapie erfolgt in unterschiedlich zusammengesetzten indikationsbezogenen Gruppen. 

Die Gruppentherapie erfolgt 4 x wöchentlich in einer festen Bezugsgruppe. 

Wir regen dabei vor allem dazu an, Orientierungs- und Zielperspektiven für das weitere Leben zu entwickeln und diese Ziele in kleinen Schritten zu erreichen. Die Gruppe bietet zudem einen strukturierten Rahmen für die Erprobung bisher ungewohnter Verhaltensweisen und neuer Lösungswege an. 

Hierbei werden themenbezogen auch erlebnisnahe Verfahren (z. B. Körperarbeit, Psychodrama) eingesetzt.

Einzeltherapie

In den Einzeltherapien erfolgt eine individuelle und indikationsbezogene Behandlung, speziell für die angegebenen Problembereiche.

Da es erfahrungsgemäß zu Beginn der Therapie schwer fallen kann, persönliche Themen im Rahmen der Gruppe zu besprechen, ergänzen regelmäßige Einzelgespräche die Gruppentherapie. Auch in schwierigen Situationen kann die Einzeltherapie eine wertvolle Hilfe zur Klärung bieten.

Wie in der Gruppentherapie stehen auch in den einzeltherapeutischen Gesprächen die Suche nach neuen Lösungswegen und die Entwicklung sinnvoller Zielperspektiven im Vordergrund.

Paar- und Familientherapien

Die Partner/innen, Kinder oder Eltern der Patienten/innen werden nach Möglichkeit intensiv in die Therapie einbezogen. Unterstützt von den Therapeuten beschäftigen sich der/die Patient/in und ihre/seine Angehörigen mit Lösungsmöglichkeiten und suchen nach einem neuen Miteinander. Durch das gegenseitige Verstehen gewinnen die Beziehungen häufig an Stabilität und können so eine wesentliche Stütze während und nach der stationären, bzw. ganztägig ambulanten Behandlung darstellen und dazu beitragen, den Behandlungserfolg zu sichern.

Ziel der Partnergespräche und Paartherapien ist es bei Themen, wie z. B.

  • Konflikte,
  • Kontrolle,
  • Sexualität,
  • Generationengrenzen,
  • Beziehungsphantasien und
  • Beziehungsregeln 

einen besseren Umgang, bzw. hilfreiche Lösungswege zu finden. Dazu ist es hilfreich, dass beide Partner eine „bezogene Individuation“ entwickeln.

Arbeitsbezogene Rehabilitation

  • Zu Beginn dieses Behandlungsbereiches erfolgt eine individuelle und ausführliche berufsbiographische Potential- bzw. Profilanalyse. Initiiert wird dies durch eine umfassende sozialmedizinische Leistungsbeurteilung sowie einer realitätsorientierten und aktiven Unterstützung seitens der Ergo- und Sozialtherapie (im Sinne einer sozialen Rehabilitation).
  • Zur sozialmedizinischen Leistungsbeurteilung wird ein Fähigkeitsprofil erstellt (Melba). Es werden kognitive und kommunikative Fähigkeiten sowie Fähigkeiten zur Art der Arbeitsausführung und psychomotorische Fähigkeiten eingeschätzt, die für eine Berufstätigkeit von Relevanz sind. So kann eine individuelle und gezielte berufsbezogene Kompetenzförderung erfolgen.
  • Durch eine schrittweise Steigerung der Leistungsanforderungen wird ein Erkennen der eigenen Fähigkeiten und Grenzen ermöglicht und ein gesundes Arbeitsverhalten gefördert. Arbeitsbezogene Kompetenzen, wie z. B. Ausdauer, Konzentration und Belastbarkeit werden ebenso trainiert, wie die Fähigkeit zur Zusammenarbeit mit anderen. Individuelle berufsbezogene Bewältigungsstrategien werden mit dem/der Patienten/in gemeinsam entwickelt und erprobt.
  • Eine mögliche Belastungserprobung (z. B. in Form eines Praktikums) dient zusätzlich der Bestandsaufnahme der physischen und psychischen Leistungsfähigkeit in einem realitätsnahen berufspraktischen Setting. 

Die positiven Erfahrungen und Erfolge wirken sich günstig auf das Selbstvertrauen aus. Auf diese Weise wird die Grundlage für einen erfolgreichen Wiedereintritt in das Berufsleben geschaffen.

Sozialberatung

Je nach individueller Situation können berufliche Fragen, wie z.B. Arbeitsplatzwechsel oder Umschulungsmaßnahmen bearbeitet werden, Hilfestellung bei der Kontaktaufnahme zu Ämtern und Behörden geleistet sowie der Umgang mit Schulden geklärt werden. 

Auch die Vermittlung in Nachsorgeeinrichtungen, die Organisation von Betriebspraktika während der Behandlung und die Förderung einer beruflichen Perspektive in Form eines Bewerbungstrainings gehören zum Bereich unserer Sozialtherapie.

Neue Berufsziele können in Zusammenarbeit mit den Reha-Beratern/innen der Rentenversicherer auf Realisierbarkeit überprüft und gegebenenfalls Maßnahmen zur Teilhabe am Arbeitsleben beantragt und eingeleitet werden. 

Wie bereits beschrieben, werden im Rahmen der Rehabilitationsberatung u.a.

  • berufsfördernde Maßnahmen,
  • Kontakte zum beruflichen Umfeld,
  • Beratungsgespräche hinsichtlich der beruflichen Situation, bzw. sozialrechtliche Beratung,
  • Klärungsgespräche zur wirtschaftlichen Sicherung

durchgeführt. 

Wir unterstützen unsere Patienten auch fachkundig bei der Wohnungs- und Arbeitsplatzsuche. 

Entspannungstraining

  • Mit dem Autogenen Training nach Schulz und der Progressiven Muskelentspannung nach Jacobson werden zwei bewährte Methoden zur Selbstentspannung eingeübt, die bei regelmäßiger Anwendung im Alltag wesentlich zu mehr Ruhe und Gelassenheit sowie zu einem besseren Körpergefühl beitragen können.
  • Qigong ist eine chinesische Meditations-, Konzentrations- und Bewegungsform zur Kultivierung von Körper und Geist, die auch Teil der traditionellen chinesischen Medizin ist. Durch regelmäßiges Praktizieren des Qigongs kommt es zu einer verbesserten Entspannungsfähigkeit und zu einem verbesserten Körpergefühl. Dies wirkt sich gesundheitsförderlich aus und hilft bei der Linderung von chronischen Beschwerden, wie Verspannungen und Rückenschmerzen. 

Entspannungstraining und Qigong werden über die gesamte Therapiedauer regelmäßig angeboten.

Kreatives Gestalten

Bei der Bearbeitung von Materialen wie Holz, Ton, Speckstein und beim Aquarellmalen sowie Zeichnen können neue Techniken erlernt werden, Möglichkeiten zur sinnvollen Freizeitgestaltung erschlossen und Begabungen entdeckt werden.

Dabei geht es nicht nur um das Endergebnis, sondern auch darum, die Konzentrationsfähigkeit und die feinmotorischen Fähigkeiten zu verbessern. Zusätzlich wird das Zutrauen in die eigenen Gestaltungsfähigkeit angeregt.

Die Durchführung kreativer Gruppenprojekte fördert die Kommunikationsfähigkeit und das zielgerichtete Handeln in der Zusammenarbeit mit anderen.

Sport- und Bewegungstherapie

Die Freude an der Bewegung, die Stärkung der Körperwahrnehmung und die (Wieder-) Entdeckung der eigenen Aktivität stehen im Mittelpunkt der Sport- und Bewegungstherapie.

Auch positive Gruppenerlebnisse, Teamgeist und Fairness spielen hierbei eine wichtige Rolle. Unsere Mitarbeiter regen in diesem Zusammenhang dazu an, sich auch im sportlichen Bereich neue oder bereits erprobte Freizeitaktivitäten zu erschließen.

Unter fachkundiger Anleitung wird ein individuell dosiertes, funktionales Aufbautraining durchgeführt. Hierdurch werden die eigenen körperlichen Fähigkeiten erweitert sowie auch körperliche Grenzen festgestellt.

Darüber hinaus werden die Patienten/innen nach ärztlichem Einverständnis durch die Mitarbeiter in den klinikeigenen Fitnessraum eingeführt. Bei entsprechender Indikationsstellung werden individuelle Trainingspläne erstellt, so dass die Möglichkeit besteht, sich auch außerhalb des Therapieprogramms weiter körperlich zu betätigen.

Kontakt:

Klinik Psychosoziale Behandlung
und Rehabilitation St. Martin GmbH 
Sternenstraße 1
53881 Euskirchen-Stotzheim
Tel.: 0 22 51 – 94 77 0
Fax: 0 22 51 – 94 77 22