Gruppentherapie
Gemischt und Differenziert
Als gemischt-geschlechtliche Einrichtung betrachten wir die Unterschiede zwischen den Geschlechtern als Kraftquelle.
Wir glauben, dass ein Zusammenleben von Frauen und Männern für beide Seiten viele Vorteile mit sich bringt. Die unterschiedlichen männlichen und weiblichen Erfahrungen sowie Lebendigkeiten, können z. B. zu einer besseren Konfliktbewältigung oder einer achtsameren sozialen Selbstsorge genutzt werden.
Innerhalb eines gemischt-geschlechtlichen Therapierahmens bieten wir für Frauen und Männer geschlechtsspezifische differenzierte Erkundungs- und Entfaltungsmöglichkeiten an. Ein gemischt-geschlechtlicher Therapierahmen entspricht der Alltagserfahrung unserer Patienten. Gleichermaßen bieten die Geschlechtsdifferenzierten Therapieangebote beiden Geschlechtern sowohl Schutz-, als auch Möglichkeitsräume an.
Konkret bedeutet dies, dass wir drei Bezugsgruppen hinsichtlich der Geschlechterverteilung folgendermaßen zusammensetzen:
- eine gemischtgeschlechtliche Bezugsgruppe,
- zwei Bezugsgruppen für Männer.
Für Frauen bieten wir zusätzlich ein spezifisches frauenbezogenes Behandlungsangebot an (s. u.).
Für Männer, die i. S. des Wahlrechts eine männerbezogene Behandlung wünschen, bieten wir in den zwei Männer-Bezugsgruppen die Möglichkeit an, eine geschlechts-spezifische Bearbeitung, u. a. folgender Themen, vorzunehmen:
- männertypische Verhaltensweisen und Suchtmuster,
- Quellen männlichen Selbstwerts,
- Umgang mit enttäuschten Lieben,
- Lust, Liebe und Sexualität,
- der Mann als Vater,
- Ausdrücken können von Gefühlsqualitäten,
- Zugang finden zum Körpererleben,
- Verarbeitung möglicher Gewalterfahrungen.
Frauenbezogene Behandlungsangebote
Der Hintergrund für die Gestaltung frauenbezogener Behandlungsangebote in der Klinik berücksichtigt folgende Aspekte (vgl. auch DHS Grundsatzpapier Gender Mainstreaming in der Suchtarbeit, Niederschrift Sozialausschuss 38, Schleswig-Holstein, Frau Prof. Dr. Winkler):
- Häufig fühlen Frauen sich durch die Diagnose Suchtmittelabhängigkeit stärker ausgegrenzt, als Männer.
- Es treten häufig zusätzliche Probleme, wie z. B. Essstörungen auf.
- Es kommt häufig zu Konflikten und Überforderung durch die Anforderungen als Mutter, Ehefrau und eventuell gleichzeitiger Berufstätigkeit.
- Viele Frauen haben Gewalt- und Missbrauchserfahrungen erlebt und erfahren.
Frauen stehen häufig unter einem hohen emotionalen Leidensdruck, machen sich persönliche Schuldvorwürfe, leiden unter Versagensängsten, sind unzufrieden mit ihrem Körper und ihrem Aussehen.
Die sozialen Beziehungen zu Kindern, Partnern, Eltern, nehmen einen großen Raum ein; ebenso das Gefühl der permanenten Überforderung und des Ungenügens. Viele Frauen richten die Verzweiflung darüber gegen sich selbst.
Da Frauen nicht stärker gestört und nicht schwerer therapierbar, sondern anders sind als Männer und ihre Problem– und Störungsbilder sich anders ausdrücken, brauchen sie andere Hilfen.
Aus diesem Grunde halten wir neben den gemischtgeschlechtlichen Therapiegruppen zusätzliche frauenbezogene Therapiegruppen für erforderlich.
Neben individuellen Behandlungen in Einzeltherapien, bieten wir zusätzlich die Gruppe „Frau und Sucht“, sowie die indikative Gruppe „Selbstverteidigung für Frauen“ an.
Bezugsgruppe
In der Gruppentherapie besteht Raum für gemeinsamen Austausch, gegenseitige Rückmeldungen und für die Entwicklung hilfreicher Wege aus der Sucht. Die Entfaltung eigener Möglichkeiten in der Gruppe auf der Basis gegenseitigen Vertrauens und Wohlwollens kann eine wertvolle Erfahrung darstellen. Die Gruppentherapie erfolgt in unterschiedlich zusammengesetzten indikationsbezogenen Gruppen.
Die Gruppentherapie erfolgt 4 x wöchentlich in einer festen Bezugsgruppe.
Wir regen dabei vor allem dazu an, Orientierungs- und Zielperspektiven für das weitere Leben zu entwickeln und diese Ziele in kleinen Schritten zu erreichen. Die Gruppe bietet zudem einen strukturierten Rahmen für die Erprobung bisher ungewohnter Verhaltensweisen und neuer Lösungswege an.
Hierbei werden themenbezogen auch erlebnisnahe Verfahren (z. B. Körperarbeit, Psychodrama) eingesetzt.


