Lexikon der Geburtshilfe
A |
Ambulante Entbindung Ist die Entbindung komplikationslos abgelaufen, das Neugeborene gesund, die Mutter kreislaufstabil, gibt es die Möglichkeit, dass die Familie noch am selben Tag das Krankenhaus verlassen kann. Die nachfolgende Betreuung wird dann von der Nachsorge-Hebamme, dem ausgewählten Kinderarzt und dem Frauenarzt durchgeführt. |
Amniozentese Fruchtwasseruntersuchung z. B. zur Erkennung von genetischen Fehlbildungen des ungeborenen Kindes. |
APGAR-Schema Test zu Beurteilung der Vitalität des Neugeborenen 1 Minute, 5 Minuten und 10 Minuten nach Geburt. Begutachtet werden Atmung, Hautfarbe, Herzfrequenz, Muskeltonus des Neugeborenen und die Reflexe nach einem Punktschema (0, 1 oder 2 Punkte) mit der höchsten Punktzahl von 10. |
B |
Beckenendlage Die meisten Kinder werden mit dem Kopf voran geboren. Aber es gibt auch Kinder, die „verkehrt“ herum auf die Welt kommen möchten. Dann spricht man von Beckenendlage. |
Blasensprung Meistens springt die Fruchtblase, sobald sich der Muttermund vollständig geöffnet hat. Manchmal platzt sie bereits Wochen vor dem Geburtstermin. Bei einem solchen "vorzeitigen Blasensprung" kann das Fruchtwasser entweder in einem großen Schwall oder auch tropfenweise abgehen. In jedem Fall sollte der Arzt verständigt werden. Es kann aber auch vorkommen, dass das Baby schon fast auf der Welt und die Fruchtblase noch immer nicht gesprungen ist. Dann wird der Geburtshelfer die Fruchtblase vor Beginn der Presswehen öffnen. Ob die Fruchtblase von selbst springt oder ob der Arzt sie öffnet - es ist nicht schmerzhaft. |
C |
CTG = Cardio-Toko-Graph Herzton-Wehenschreiber, der über zwei auf dem Bauch befestigte Elektroden und einen Ultraschallkopf gleichzeitig Wehenstärke und kindliche Herzschlagfrequenz aufzeichnet. Das CTG ist Teil der Vorsorgeuntersuchung und wird während der Geburt zur Überwachung des Kindes während der Wehen eingesetzt. Es gibt z. B. Auskunft darüber, ob das Kind ausreichend mit Sauerstoff versorgt wird. |
D |
Doppleruntersuchung Spezielles Ultraschallverfahren zur Beurteilung des Blutflusses, z. B. in der Nabelschnur und den mütterlichen Gefäßen. Hiermit wird indirekt die Versorgung des Kindes mit Sauerstoff überprüft. Angewandt wird diese Untersuchung z. B. bei unzureichendem Kindswachstum, zur Früherkennung von in der Schwangerschaft auftretendem Bluthochdruck, Überschreiten des Geburtstermins, auffälligem CTG oder anderen Besonderheiten in der Schwangerschaft. Vor der 20. Schwangerschaftswoche wird die D. nicht durchgeführt. |
E |
Episiotomie Bei medizinischer Notwendigkeit (z. B. schlechten Herztönen des Kindes unter Presswehen) wird ein Dammschnitt durchgeführt. Dies geschieht immer nur während einer Wehe, so dass die Gebärende keine Schmerzen leidet. Der Schnitt wird nach der Geburt der Placenta unter örtlicher Betäubung genäht und heilt in der Regel komplikationslos. Die Fäden lösen sich auf und müssen nicht gezogen werden. |
F |
Fehlbildungsdiagnostik Zur Erkennung von kindlichen Fehlbildungen können spezielle Untersuchungen wahrgenommen werden:
Sprechen Sie mit Ihrem Frauenarzt über die verschiedenen Möglichkeiten. |
Frühgeburt Vor der vollendeten 37. Schwangerschaftswoche (ab der letzten Menstruation) spricht man von Frühgeburt. Im deutschsprachigen Raum liegt die Rate bei ca. 6-8%. |
G |
Geburtseinleitung Bei Überschreitung des Geburtstermins ab dem 10 Tag oder bei Gefahrenzuständen für Mutter oder Kind wird die Geburt eingeleitet, d.h. es werden Wehen erzeugt. Es gibt hierzu mehrere Möglichkeiten, wie ein wehenförderndes Gel, welches in die Scheide eingelegt wird und lokal den Muttermund reifen lässt oder ein Wehentropf, bei dem der Gebärenden über eine Infusion das wehenfördernde Medikament Oxytocin verabreicht wird. |
Geburtstermin Weil man den exakten Zeitpunkt der Befruchtung nicht kennt, geht der Arzt vom ersten Tag der letzten Regel aus. Von diesem Tag an gezählt, dauert eine Schwangerschaft (im statistischen Durchschnitt) 280 Tage oder zehn Mond-Monate (Perioden-Monate) zu 28 Tagen - also 40 Wochen. Rechnet man die 14 Tage bis zum Eisprung und der wahrscheinlichen Befruchtung ab, dann sind es 266 Tage bis zur Geburt. Beträgt der Abstand zwischen den Perioden einer Frau aber mehr als 28 Tage, dann müssen diese Tage dazugerechnet werden. Ist er dagegen kürzer, muss man etwas abziehen. |
Geburtsvorbereitung Ein Kurs zur Geburtsvorbereitung bietet heute mehr als gymnastische Übungen und Informationen über den Verlauf von Schwangerschaft und Geburt. Die Schwangeren erlernen und erfahren in solchen Kursen innere Ruhe und Entspannung. Sie spüren, wie ihre Kräfte geweckt werden - nicht nur für den Umgang mit dem Wehenschmerz, sondern auch für die kommenden Veränderungen in ihrem Leben. Zum Kurs gehören Informationen und Gespräche: Wie sich der Körper der Frau verändert, wie sich das Kind im Mutterleib entwickelt, wie der normale Geburtsablauf aussieht, mit welchen Medikamenten die Geburt erleichtert werden kann. Auch verschiedene körperliche Übungen sind Bestandteil der Geburtsvorbereitung. |
Geburtsvorbereitende Akupunktur Akupunktur ist eine seit Jahrtausenden bekannte Heilmethode der traditionellen chinesischen Medizin. Mit Nadelstichen werden an bestimmten Punkten des Körpers sensorische Reize ausgeübt. |
Geburtsstellungen Es gibt mehrere Entbindungspositionen im Kreißsaal. Die Schwangere sollte die für sie angenehmste Position einnehmen. Meistens wird das Kreißbett gewählt. Möglich ist auch eine Geburt auf dem Hocker oder mithilfe eines Gebärseils oder in der Gebärwanne. |
H |
Hebamme Geburtshelferin, welche Frauen während Schwangerschaft, Geburt und im Wochenbett überwacht, betreut und berät. |
Hörscreening Untersuchung zur Früherkennung von Hörschäden, welche ab dem 3. Tag nach Geburt durchgeführt wird. |
Hüftsonographie Ultraschall der Hüftgelenke beim Neugeborenen zum Ausschluss von Hüfterkrankungen (Dysplasie). Die U. wird im Laufe des stationären Aufenthaltes von einem Orthopäden unseres Hauses durchgeführt. |
K |
Kaiserschnitt = Sectio caesarea oder Schnittentbindung Ist eine geburtshilfliche Operation unter Rückenmarksnarkose oder Vollnarkose, bei der die Bauchhöhle und die Gebärmutter zur Geburt des Kindes eröffnet werden. Es wird eine sanfte Methode angewandt, so dass möglichst wenig Gewebe geschädigt wird, die sogenannte Misgav-Ladach-Technik. Ein Kaiserschnitt wird durchgeführt, wenn eine natürliche Geburt unmöglich ist, die Geburt sofort beendet werden muss (z.B. bei einem Gefahrenzustand für Kind oder Mutter = Notsectio) oder ein Geburtsstillstand eintritt. |
L |
Laktations- oder Stillberaterin Während des stationären Aufenthaltes werden Sie von speziell ausgebildeten Stillberaterinnen betreut, die mit vielen Tipps und Anregungen bei anfänglichen Schwierigkeiten und Unsicherheiten helfen. |
N |
Nabelschnur Verbindung vom Mutterkuchen zum Kind, bestehend aus 1 Vene und 2 Arterien, über welche Sauerstoff, Nährstoffe und Botenstoffe zum Kind hin und vom Kind weg transportiert werden. Die Nabelschnur wird nach Geburt des Kindes - meist vom Vater- durchtrennt. |
Notsectio Bei großen Gefahrenzuständen für Mutter oder Kind (z.B. schlechten Herztöne während Wehen ohne Erholung, Nabelschnurkomplikationen) muss die Geburt unmittelbar erfolgen, d. h. es wird sehr rasch ein Kaiserschnitt durchgeführt. Hierfür steht in unmittelbarer Kreissaalnähe ein spezieller Notfallraum mit kompletter Ausstattung bereit. Ein Notfall-Kaiserschnitt erfolgt in Vollnarkose. |
P |
Placenta = Mutterkuchen = Nachgeburt Über den Mutterkuchen wird der Fet während der Schwangerschaft mit Nährstoffen und Sauerstoff versorgt. Kurz nach Geburt des Kindes folgt die Placenta spontan mit Hilfe einer Wehe nach. In seltenen Fällen muss sie manuell gelöst werden. Dieser Eingriff würde dann in Narkose durchgeführt werden. |
R |
Rhesusprophylaxe Ist die Mutter Rhesus negativ (siehe Blutgruppe im Mutterpass) und das Neugeborene Rhesus positiv, muss die Mutter einmal innerhalb 72 Stunden nach Geburt geimpft werden, damit sie keine Antikörper gegen den Rhesusfaktor bildet. Ohne Impfung könnte die Mutter bei erneuter Geburt eines rhesus-positiven Kindes Antikörper auf das zweite Kind übertragen, was zu einer schweren Blutarmut führen kann. |
S |
Saugglocke Form der vaginal operativen Entbindung, bei der eine Saugglocke auf die kindliche Kopfschwarte aufgesetzt und durch Erzeugung eines Unterdruckes fest haftet. Die Entwicklung und Geburt des kindlichen Köpfchens kann dann mit der Saugglocke durch Zug unterstützt werden. Die dabei entstehende Kopfgeschwulst verschwindet schnell wieder. Im Anschluss an eine Saugglockengeburt wird das kindliche Köpfchen durch eine Ultraschalluntersuchung kontrolliert. |
T |
Terminüberschreitung Hat die Schwangere zum errechneten Geburtstermin noch nicht entbunden, spricht man von Terminüberschreitung. Ab dem errechneten Termin sollten engmaschige CTG-Kontrollen stattfinden. Am 10. Tag nach Termin kann ein Wehenbelastungstest durchgeführt werden. Bestehen bis zum 14. Tag keine Geburtsbestrebungen, so sollte eine Geburtseinleitung begonnen werden. |
U |
Ultraschall Routineuntersuchung in der Schwangerschaft mit Schallwellen, die für das Kind und die Mutter völlig ungefährlich ist. Ultraschall kann von der Scheide und vom Bauch aus durchgeführt werden. Untersucht wird: Größe, Alter, Bewegung, Lage des Kindes, Fruchtwassermenge, Sitz des Mutterkuchens usw. |
Übertragung Terminüberschreitung des errechneten Geburtstermins. |
U1 Erstuntersuchung des Neugeborenen kurz nach der Geburt. Geprüft werden die Reife des Kindes, äußerliche Fehlbildungen, Herz, Lunge und Reflexstatus. Die Erstuntersuchung wird von dem Arzt, der die Entbindung begleitet hat, durchgeführt. |
U2 Ausführliche Untersuchung des Neugeborenen u. a. mit Prüfung der Reflexe, Herz und Lunge. Die U2 wird bei uns ab dem 3. Lebenstag von dem Neonatologen Prof. Roth durchgeführt. |
W |
Wassergeburt Bestehen keine Geburtsrisiken für Mutter oder Kind, gibt es die Möglichkeit in der Gebärwanne zu entbinden. Das Kind wird hierbei unter Wasser geboren. Das "Einatmen" von Wasser wird dabei über den den angeborenen Diving Reflex = Tauchreflex verhindert. |
Z |
Zangengeburt Form der vaginalen operativen Geburt, bei der zwei Löffel am kindlichen Köpfchen angelegt werden. Durch Zug kann so die vaginale Geburt unterstützt werden. |










